Die Wegkapelle im Riffig

 

Die Riffigkapelle ist ein schlichtes, rechteckiges Heiligenhäuschen und besitzt originelle Barockplastiken volkstümlichen Charakters aus dem 18. Jh.: Jakobus d.Ä., die hl. Barbara und ein Bild «Madonna mit Kind». Vor der Renovation der Kapelle 1985 stand auch die Statue des Johannes Nepomuk aus dem 17. Jh. in der Kapelle. Da in ganz frühen Zeiten in der Nähe das Siechenhaus stand, könnte es sein, dass diese Kapelle als Dank für die Bewahrung vor der Pest 1564/65 gestiftet wurde.

1985 konnte auf Initiative eines Emmer Bürgers, der viele Unternehmer und die Altpfadfinder (APV) zu Frondiensten animierte und mobilisierte, die Renovation dieses Bijous in Angriff genommen werden. Eine solche war dringend nötig, denn im Dachgebälk nisteten die Vögel, das Kreuz auf dem Dach war schräg und Spinnen haten die Butzenscheiben in Beschlag genommen.

Die drei Statuen, hl. Barbara, Jakob und Johannes Nepomuk, wurden gereinigt und as Altarbild «Maria mit Kind» restauriert; dieses Ölgemälde stellt «Maria Hilf» dar und ist eine primitive Abwandlung von Cranachs Innsbrucker Gnadenbild. Der hl. Johannes Nepomuk hatte leider in der renovierten, sehr kleinen Kapelle keinen Platz gefunden und steht im Archiv der Kirchgemeinde Emmen.

Am 16. Oktober 1999 konnte Pfarrer Meier, Pfarrei Bruder Klaus, dieses renovierte Heiligtum einsegnen.

 

 

 

 
 

 
 

1300 wird der «hof im Rifen» (Riffig) erstmals schrftlich errrwähnt. Von diesem Hof «Im Ryfen» gab es «2 Mütt» als Zehntensteuer. «1581 wurde die Kapelle erneuer, erweitert und den Hl Maria, Zwölfboten, sowie allen Heiligen Gottes geweiht.» Zum zweiten Mal werden dieser Hof und das Helgenhüsli am St.-Gallus-Tag, 16.10.1584 schriftlich erwähnt. Damals verkaufte Margarethe Schwingruber an Adam Schmid, Lehenmann der GH in Luzern, auf den Gütern im Ryffig, das Gut im Ryffig: «Namlich ein weyd, darin begriffen einhalbi jucharten Holtz. Es statt ein Hellgen Hüsslin darin, neben der strass gen Nüwenkilch und Russwyl, an den übrigen Minen gnädigen Herren, der Propstei Luzern güttern und wyheren im Ryffig glägen». Der Kaufpreis von «fünffzig und zwen guldin münz der statt Lucern wärung (und ein par Stiffel ze trinckgelltt)» waren in drei Raten zu bezahlen.

«Nachdem die Kapelle mit einem Kostenaufwand von fl. 999 s. 22 abermals neu aufgebaut worden, erfolgte am 10. August 1751 die Einweihung durch den päpstlichen Legaten Philippus Acciajuoli. Die Kirchweih fand immer am Sonntag nach Maria Geburt statt.»

Die vielen Überfälle auf Reisende und Warenzüge wegen war diese Kapelle lange als «Geisterkapelle» verschrien und der Ort als «unghür» angesehen. Die Überlieferungen darüber scheinen einen reellen Hintergrund zu haben. Lau den Gülten, die auf der Spitalmatte 1540 und 1548 errichtet wurden, gehörte sie dem Scharfrichter Jost Mengis, der kraft seines Amtes bei der zänkischen Gesellschaft der Aussätzigen viele Obliegenheiten zu tätigen hatte.

Die Kapelle diente früher den Verkehrsteilnehmern der Hochstrasse (heute Neuenkirchstrasse) zur stillen Einkehr und als Ort des Dankes für den gut überstandenen Gang durch den dichten «unghüren» Riffigwald. Diese Strasse führte vor der Kapelle, die dicht an der Strasse stand, durch den Schluchenwald zum Strasshüsli, von dort nach der Lohren.

Am 27. Mai 1761 haben der Rat der Schultheiss und Rat der Stadt Luzern Anton Brunner das  Weinschenkrecht im Riffig beim «Käpelli» erteilt. Er wollte ob der Kapelle ein Haus bauen. Die Bedingungen waren: «In Anbetracht, dass auch schon vor längstens bei selbigem Wald gefährlichkeiten entstanden, wurde die anverlangte buw ihme mit folgenden Bedingnussen ertheilt, dass ein jeweiliger Besitzer alle 10 Jahre darum anhalte und dass bei jeder Abenderung gleichfalls der nachkommende Weinschenk vor UggHH und obern sich stellen solle und MggHH und Obern in die Stuben 40 gl. und 20 gl. in der Kanzley entrichte.»

1832 verkaufte Melchior Häfliger das Heimwesen Im Riffig an Jakob und Peter Bühlmann von Hochdorf. Den Käufern der Liegenschaft wurde mit diesem Kauf der Unterhalt des Kapellchens schriftlich überbunden. Später wurde nie mehr davon geschrieben.

 

Aus dem Büchlein «Emmer Wegzeichen und Gedenkstätten» von Margot Kälin-Pittier und

Franz Niggli